jetzt geht los, jetzt gehts los


Diesen Blogeintrag habe ich seit 24h offline vorbereitet, habe mich aber nicht getraut, ihn zu posten.

WAS PASSIERT MIT UNS?

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folgende eMail ging durch den internen Mitarbeiter Verteiler einer großen deutschen Universität:

Sehr geehrte Damen und Herren,

der islamistische Terrorismus stellt weiterhin die größte Bedrohung der Inneren Sicherheit der westlichen Staaten und damit auch Deutschlands dar. Aus Sicht der Sicherheitsbehörden besteht eine erhöhte abstrakte Gefährdung.

Wie Sie Presseverlautbarungen vom Wochenende entnehmen können, wurden Anschläge von Islamisten auch für die Bundesrepublik und in Österreich angekündigt. Auch die gescheiterten Kofferbombenanschläge auf Regionalzüge am 31. Juli 2006 in Dortmund und Koblenz sind ein Beleg dafür, dass auch Deutschland nicht nur Rückzugs- und Ruheraum, sondern Anschlagsziel für islamistische Terroristen ist.

Es ist also hohe Wachsamkeit geboten.

In diesem Zusammenhang sollte auf Hinweise auf Studierende, Mitarbeiter oder sonstige Gebäudenutzer geachtet werden, die sich durch besondere Verhaltensweisen, wie z. B. einen Bruch im Lebenswandel, Gewaltbereitschaft, radikal-verbale Äußerungen oder Beschäftigung mit einschlägiger Literatur auffällig in Richtung islamischer Fundamentalismus verändern.

Ich darf Sie bitten, verdächtig erscheinende Wahrnehmungen, die Rückschlüsse auf eine islamisch-fundamentalistische Haltung zulassen, unverzüglich hierher mitzuteilen.

Bitte informieren Sie Ihre Mitarbeiter entsprechend.

Es spinnen wirklich alle.

2 Gedanken zu „jetzt geht los, jetzt gehts los

  1. Es spinnen wirklich alle!? Ja, in gewisser Weise hast Du wohl recht. Ich persönlich finde bestimmte Äußerungen unserer Politiker (u.a.) als eindeutig überzogen und gerade dahingehend gefährlich, als sie doch vorschnell zu einer Hysterie führen können. Genau dies hat wohl auch Präsident Bush genutzt, um im Endeffekt seine Sicherheits- und Auslandspolitik durchzusetzen. Und „wollen wir nicht vielleicht einfach in Ruhe und Würde leben?„. Ja, das wollen wir. Hysterie, übereifrige und überzogene Diskussion um Sicherheit, Hetzkampagnen, negative Stereotypenbildung, etc. sind dabei nicht gerade förderlich.

    Allerdings sollten wir auf der anderen Seite vielleicht auch nicht zu sehr bestimmte offensichtliche(?) Bedrohungen als Nonsens oder medienüberzogene Hysterie abtun. Vielleicht ist an bestimmten Drohungen, Anschlagsversuchen und einer verstärkten Dikussion um Sicherheit auch etwas ‚dran? Ich persönlich weiß es nicht! Ich fühle mich in meinen eigenen vier Wänden sicher, ebenso an unseren Unis und ebenso in unseren Städten. Noch! Denn ab und an, nicht zuletzt aufgrund von kleinen regionalen Zeitungsartikeln oder eigenen kleinen Streifzügen durch das Nachtleben und durch die Straßen genau dieser regionalen Städtchen bin ich mir nicht immer sicher, in wie weit wir uns wirklich sicher sein können. Letzteres hat natürlich nichts mit Personen „in Richtung islamischer Fundamentalismus“ zu tun, dennoch gehört es in den breiteren Diskurs um Sicherheit.

    Die eMail an die Mitarbeiter „einer großen deutschen Universität“ finde ich dahingehend auf der einen Seite überzogen, auf den ersten Blick, doch auf den zweiten bin ich der Meinung, dass wir ihn einerseits nicht überbewerten und andererseits nicht unterbewerten sollten. Es geht ja hier lediglich um eine Art „Neighborhood Watching“ an deutschen Universitäten. Es geht nicht darum, irgendwelche Leute, auffällig „durch besondere Verhaltensweisen (…)“, vorschnell zu verdächtigen, sondern lediglich um den alten Spruch: „Holzauge, sei wachsam“. Und das muss ja nicht negativ sein. Wer weiß, vielleicht hätte jemand in den Flugschulen in Florida die Augen aufgemacht und „besondere Verhaltensweisen“ melden können, dann wäre nicht … Aber erneut: Ich weiß es nicht!

    Aber ab und an würde ich mir auch von Ethnologen wünschen, und so eine bist Du ja schließlich auch, nicht immer alles in einer ach so gar linken und sozialpolitischen Perspektive zu sehen. (An dieser Stelle könnte ich mich auch über die Thematik und den Grundtenor der letzten Ethnologik über Macht, Polizei und Sicherheit auslassen, aber dies ein andermal.) Letztendlich ist es wohl schwierig, das gesamte Feld zu überblicken und einzuschätzen. Wie gesagt, „ich weiß es nicht“! Ich weiß nicht, was an Drohungen, Anschlagsvereitelungen, Sicherheitskonferenzen und eMail-Verteilern ‚dran ist, denn in vielen Bereichen sind die Medien die einzige Quelle der Information. Ich persönlich fühle mich sicher. Aber warum? Vielleicht weil unser Sicherheitsapparat, wenn auch mit allen Schikanen, wunderbar funktioniert? Wir dennoch aber daran arbeiten müssen, da neue „Gefahren“ auf uns zukommen?

    Die eMail an die Mitarbeiter der deutschen Universität nehme ich nicht allzu ernst. Das hoffe ich, selbst einschätzen zu können. Aber wachsam bin ich dennoch!

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