Auf den Gedanken kam ich, weil ich am letzten Wochenende endlich einmal einen Cyberpunk Klassiker, nämlich Blade Runner gesehen habe (mein Debut in dem Genre). Der Film ist 1982 erschienen und spielt im Jahre 2019.

Im Film wird eine düstere Zukunft dargestellt, nicht nur inhaltlich, sondern auch rein äußerlich. Nun, es regnet die ganze Zeit, eigentlich ist es immer dunkel, alles ist schmutzig und grau, die Menschen drängeln sich auf dem, was von der Erde übrig geblieben ist und der Rest hat sich schon längst ein Paradies auf anderen Planeten geschaffen. Nun, wenn ich jetzt – gute 10 Jahre vor dieser Zeit – aus dem Fenster schaue, scheint dort zwar nicht die Sonne, aber grundsätzlich lässt sie sich ja immer wieder mal blicken. Das verleitet mich, das naive kleine Kind, natürlich zu der Annahme: „Ooch, is‘ doch alles nich‘ so schlimm, mach’nse mal nich‘ so’n Stress“.
Nach meiner Frage gab ich noch den Hinweis, dass es doch hier so schlecht nicht ist – hier in der „Zukunft“ – darufhin wurde ich unter anderem darauf hingewiesen, dass es nun hier vielleicht doch auch eher schlecht sein könnte – je nachdem wie man es sähe. Symbolisch gesprochen: es scheint zwar noch die Sonne, aber inhaltlich düster ist es schon seit langem, nur: wir merken es nicht!
Das kleine naive Kind hat eine Weile gebraucht, das zu verarbeiten, aber irgendwie hat er auch recht. Wenn ich da an meinen Kampf gegen die Wahlcomputer denke, weniger hier, sondern vor allem in offline Diskussionen, wird mir immer klarer, dass es die Leute nicht interessiert, weil sie der Meinung sind, dass sie eh nichts ändern können – also sie, als Bewohner dieser Welt, schon akzeptiert haben, dass sie von irgendwelchen „dunklen Mächten“ (an der Stelle wird alles mögliche genannt) regiert und kontrolliert werden, und sich schon längst damit arrangiert haben. „Ich hab doch nichts zu verbergen“ und „ich kann doch eh nichts tun“.
In der Diskussion fiel das Beispiel der „Gated Communities“ was ganz klar die Cyberpunk These, dass die Welt von übermächtigen Konzernen regiert wird, stützt. So wie auch die Wahlcomputer Sache, die auch nur von einer einzigen Interessengemeinschaft gepuscht wird: der Industrie, die diese Geräte herstellt – schon an vielen Stellen der Welt haben sie sich bereits duchgesetzt.
Dann sind da auf der anderen Seite Dinge, wie das Online „Spiel“ second life, die einem die Zukunftsvisionen, wie die der Menschen, die nur noch in virtuellen Gegenden leben, und in unserer jetztigen physikalischen Umwelt irgendwo mit einer Brille auf dem Kopf in einem Liegestuhl liegen und künstlich ernährt werden, bedrohlich nah erscheinen lassen. Das second life Ding werde ich auf jeden Fall genauer beobachten.
Das nächste, was mir heute total zufällig zwischen die Finger gefallen ist, ist einer der Vorträge des 22C3, nämlich „We lost the War“ von Frank und Rob. Der Vortrag ist natürlich überspitzt, aber dadurch umso deutlicher. Ich hatte mir den vor ein paar Monaten schon mal angehört, hatte aber den Inhalt wohl verdrängt, weil er einfach nicht in meine Harmonie des Sonnenscheins passte. Nun, die Sonne scheint zwar immernoch, aber ich werde mich auch nicht damit zufrieden geben, den Kampf einfach als verloren zu bezeichnen.
Schließlich will ich auch noch übermorgen Sonnenschein haben.

zusätzliche Links:
Heise „25 Jahre CCC: Nach dem verlorenen Krieg“ und „22C3: „Wir haben den Krieg verloren““ und der Vortrag als mp3, hier noch als .m4v zum anschauen, aber fragt mich nich wie man des abspielen kann :-)
Zu Second Life: Sehr schön zu lesende Artikel bei der Süddeutschen, bei Tagesschau.de und bei Netzwelt