Veränderung


Heise schreibt:

Niedliche, Rauchwölkchen puffende Dampflokomotiven gehören schon lange nicht mehr zur Erfahrungswelt kleiner Kinder. Deshalb ist es nur konsequent, dass der schwedische Spielzeughersteller Brio – bisher vor allem durch Holz-Eisenbahnen bekannt – nun das Computernetzwerk als Spielzeug anbietet.

Alles fließt. Kultur ist Veränderung. Aber ob Fortschritt immer nach vorne geht?

Wtf?

Das öffentliche Singen von „Happy Birthday“ wird in Australien künftig mit bis zu 800,- Euro (2.320,- Australische Dollar) Bußgeld bestraft.

Langsam drehnse völlig durch, nicht die Australier, sondern wir alle, mit unserem copyright Kram. Wir müssen damit aufhören, was soll der Scheiß?

(Artikel bei Golem: Australien: Jeder Bürger ein Copyright-Pirat?via)

Und da sag einer bitte nochmal „Ich hab doch nix zu verbergen“…

Soldatenroboter – Robotersoldaten

Telepolis berichtet

Ab nächstem Jahr plant die [südkoreanische] Regierung, an der Grenze zu Nordkorea Robotsysteme oder „Selbstschussanlagen“ zur Überwachung zu installieren, die offenbar auch automatisch nach einer Warnung feuern sollen. […]
Das System wurde entwickelt, um Wachen, die auf Menschen ausgerichtet sind, zu ersetzen und ihre Beschränkung auf diskontinuierliche Beobachtung aufgrund von Wetterbedingungen oder Müdigkeit zu überwinden, so dass eine perfekte Wachmission garantiert ist.

Ne, echt nicht. Aber es scheint Wirklichkeit zu sein, wenn man sich das Werbevideo von Samsung dazu anschaut… wirklich gruselig.

Als Sicherheitsmaßnahme wurde offenbar ein Stimmerkennungssystem eingebaut, das bis zu einer Entfernung von 10 Metern Freund und Feind anhand eines gesprochenen Kennworts unterscheiden kann. Wer sich dann nicht schnell genug erinnert oder Fehler macht…

…der hat verloren. Die Maschine hat kein Gewissen. Wenn wir weiterhin die Verantwortung so abstrakt von uns wegschieben…

„Achtung Achtung, hier spricht die Polizei! Wir nehmen sie hiermit fest weil… weil… na, weil es uns der Computer halt so gesagt hat…“

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Noch so ein gruseliger Artikel:

[Die Roboter] würden, […] zum Beispiel den Tag über die Welt um sich herum erforschen, bis er etwa durch ein Hindernis aufgehalten wird. Bei Nacht fängt die Maschine dann an zu träumen: sie geht ihre Erfahrungen durch und baut darauf ein besseres Modell ihrer Umgebung auf. Das wiederum nutzt sie, um ihre Aktionen für den nächsten Tag zu planen.

Vorratsdatenspeicherung

Im Moment überschlagen sich ja die Berichte zur Vorratsdatenspeicherung.

An der Stelle verweise ich erst einmal an die Website der Initiative „Stoppt die Vorratsdatenspeicherung.de und auf Netzpolitik.org, alles in der Kategorie Vorratsdatenspeicherung.

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Dann denke ich zurück. Im Sommer habe ich ein Gespräch auf dlf gehört:

Von der Volkszählung zur Anti-Terror-Datei – was ist mit unserer Freiheit passiert? Zwei Generationen der Überwachungskritik im Gespräch: Uwe Wesel, Professor für Bürgerliches Recht an der FU Berlin und Frank Rieger vom Chaos Computer Club.

(es geht nur 12 min die sich lohnen!)

Ich fange erst so nach und nach und sehr langsam an zu Verstehen, und dieses kurze Gespräch ist ein weiteres Mosaiksteinchen in der Geschichte.
Davor hatte ich noch nie bewusst von der „großen Volkszählung“ gehört. Als ich im Sommer das Gespräch hörte war mein erster Gedanke: Hä? Wieso haben die denn so einen Stress wegen einer Volkszählung gemacht? Sind die Daten nicht eh alle schon beim Einwohnermeldeamt und im Telefonbuch zu finden?

Mein Mitbewohner, ein übriggebliebener 68er, machte mir im Frühjahr mal den Vorwurf, dass wir gar nicht mehr auf die Straße gingen – und in gewissem Sinne hat er recht. Aber als ich von dieser Volkszählung hörte, und merkte, dass ich spontan nichts schlimmes daran finden kann, bin ich wirklich erschrocken weil mir bewusst wurde, wie weit wir schon sind. Und wenn man sich jetzt eben den ganzen Kram anschaut, biometrische Daten, Vorratsdatenspeicherung, Überwachungsterror und dazu die (konstruierten) Bedrohungen um alles andere zu rechtfertigen… manchmal wünschte ich mir, ich hätte nie den Versuch gemacht, zu verstehen. Denn jetzt fühle ich mich „in der Pflicht“.

Übrigens antwortete ich ihm, dass ich sehr wohl „auf die Straße gehe“ aber eben in einer anderen Weise als er es getan hatte… Wer mich kennt weiß was ich meine. Auch wenn ich ein paar Jahre geschlafen habe, jetzt bin ich wieder aufgewacht.

Leute, bitte sorgt dafür dass die Sonne weiterhin scheint.
Lasst uns versuchen zu verstehen und dann zu verändern!

Open Geheimdienst?

Telepolis ist, wenn man so will, die Wochenzeitung des deutschsprachigen Internets. Nachdem ich nun endlich auch mal deren rss Feed gefunden habe, werde ich wohl immer wieder einzelne Artikel hier vorstellen.

(übrigens, als ich den folgenden Artikel las, musste ich spontan an Howard Rheingolds „giant brain“ (Einleitung) denken, nicht ausschließlich, aber vor allem deswegen enstand neulich dieser Artikel zur Begriffsklärung – der eigentlich hätte in eine ganz andere Richtung gehen sollen…)

„Willkommen im Schwarm!
Kollektive Intelligenz: Science Fiction nach dem Vorbild der Natur?“

Abstract:

Mit der Erschaffung neuer Formen kollektiver Intelligenz setzt die Wissensgesellschaft zum nächsten Entwicklungsschritt an. Management-Berater, Sozialtheoretiker und Ingenieure träumen von einer als Schwarm organisierten Gesellschaft. Und tatsächlich: Wikis und Techniken der Informationsstatistik haben das Potenzial, unsere Gesellschaft tiefgreifend zu verändern – mit Geheimdiensten, die nach dem Open Source Prinzip arbeiten und demokratischen Regierungen, die ihre Politik nicht nach dem Urteil von Experten richten, sondern nach Wettbörsen, auf denen Zukunftsprognosen gehandelt werden.

Hier ein paar Auszüge daraus:

Heutzutage verbreitete Kontrolltechniken wie biometrische Pässe, Überwachungskameras und Spionagesatelliten tauchen in erstaunlich konkreter Form bereits in George Orwells „1984“ auf. Hat da irgendjemand abgeguckt?
Immer wieder, scheint es, werden wichtige Prototypen nicht von Industriedesignern entworfen, sondern von Science Fiction-Autoren. […]
Schon seit einiger Zeit beschäftigt die Idee einer als Schwarm organisierten Gesellschaft Management-Berater, Sozialtheoretiker und Ingenieure. […] „Ein neues Zeitalter der vernetzten Intelligenz“, in dem „Verknüpfungen wichtiger als die Teile sind“ beschwört der Zukunftsdenker Bernhard von Mutius. […]
Die große Verheißung kollektiver Intelligenz ist eine radikale Demokratisierung des Wissens. Die Gesamtheit aller Informationen soll vernetzt werden. Jedermann soll Zugang dazu haben. Und allen soll es möglich sein, an der Schaffung neues Wissens teilzuhaben. Kollektive Intelligenz steht somit nicht nur für das gigantische Projekt des alles-mit-allem-in-Verbindung-bringen, sondern zugleich für das Ende der Expertenherrschaft. […]
[extern] Cass Sunstein [..] hat […] die Erfolge der Mehrheitsregel und anderer Methoden des „information pooling“ mit den Ergebnissen von Diskussionen in Gruppen und Expertengremien verglichen. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Anstatt dass in den Gruppen die Kraft des besseren Argumentes gemeinsame Entscheidungen bestimmt, verzerren Effekten der Polarisierung das Ergebnis.

und am allerbesten finde ich die folgende These, die muss ich einfach hier so komplett wiedergeben:

Open Geheimdienst

Die Skepsis hinsichtlich der Überlegenheit rationalen Diskurses gegenüber den Techniken der Kollektiven Intelligenz steht, wie Sunstein überzeugend darlegt, auf einem breiten wissenschaftlichen Fundament. In der Konsequenz folgt daraus die Notwendigkeit der Reform einer ganzen Reihe von Institutionen, die nach dem Prinzip diskutierender Gruppen aufgebaut sind: der Nachrichten- und Geheimdienste zum Beispiel. Die Sozialwissenschaftler […] haben […] ein Modell einer Art CIA entwickelt, die nicht als Geheimdienst aufgebaut ist, sondern, nach dem Vorbild von Wikis und Open Source Software, als Publicly Shard Intelligence, kurz: PSI. PSI, meinen de Valk und Martin, wäre in der Lage, die zentralen Aufgaben eines Geheimdienstes zu übernehmen: die Abschätzung außenpolitischer Entwicklungen, ökonomische Analysen, Untersuchungen von Waffensystemen, die Beobachtung des Handels mit gefährlichen Gütern, Risikoanalysen von technologischen Entwicklungen und Insiderberichte über Organisationen. Anders als bestehende Geheimdienste, würden in einem PSI-Modell Informationen zu all diesen Bereichen, wie bei einem Wiki, von einem offenen Kreis von Mitwirkenden bereit gestellt, die miteinander konkurrieren und, was besonders wichtig ist, einander auf die Finger sehen – damit nicht „weapons of mass destruction“ gefunden werden, wo keine sind.

Open Geheimdienst, das wär mal echt was!

Wahlcomputer – es geht aufwärts!

Aber das hier wollte ich Euch wirklich nicht vorenthalten:

(klick für groß) (via)

Nun, und nachdem ich ja die 22222 gnadenlos verpasst habe, hier noch ein kleines Highlight vom Spielkind für Spielkinder:


Und außerdem möchte ich auf diese chronologische Zusammenfassung der Ereignisse von fh hinweisen, sowie die Pressemitteilung des ccc zu den aktuellen Ereignissen – nämlich dass bei der Physikalisch- Technischen Bundesanstalt (PTB) nun auch endlich Zweifel an der Verwendbarkeit von Wahlcomputern aufkommen…..