Nur kurz nen Stempel abholen, haben sie gesagt. Teil I

Sitze seit Stunden im Foreigners Regional Registration Office. Mein Visum registrieren. War auch gestern schon hier. Hier sind ganz schoen viele Leute. Nach ca. 45 Minuten Schlange stehen bekam ich eine Nummer. Ein paar Stunden spaeter wurde ich aufgerufen, durfte hoch. Dachte schon “jippie, gleich bin ich durch!” Aber verdammt: Oben begruesst mich ein weiterer Warteraum. Diesmal kann ich nicht mal raus und rumlaufen oder so. Anhand der derzeit angezeigten Nummer wird das hier naemlich auch wieder ne ganze Weile dauern. Immerhin habe ich inzwischen einen Sitzplatz erwischt.

Bin also inzwischen in Bangalore angekommen. Habe Sa/So nacht in einem weiteren Sleeperbus verbracht, diesmal einer mit unten sitzen, oben liegen, auch nicht schlecht. Und diesmal auch nur ein Bruchteil des Preises wie der von Mumbai. Kam Sonntag 7 Uhr in der frueh an und verpeilte erst mal dort, wo der Bus mich rausliess. Wollte nicht am Sonntag zu solch frueher Zeit bei meinen Gastgebern auftauchen. “Gastgeber” ist nur auf dem Papier korrekt, eigentlich ist es etwas, dass wir in Deutschland wohl als “Pension” bezeichnen wuerden. Aber ich bin nun ein PG, ein “Paying Guest” in diesem Haus. Komisches System, aber sehr verbreitet. Um ein echtes WG-Zimmer zu kriegen bin ich zu kurz hier, und ne eigene Wohnung geht gar nicht, da die meist zehn(!) Monatsmieten Kaution wollen und oftmals nur die Haelfte davon wieder rausruecken.

Habe von Gokarna aus viele viele Anbieter angeschrieben und angerufen. Auf ersteres antwortet keiner (wirklich: kein einziger!), bei letzterem koennen sie entweder kein Englisch, oder es ist trotzdem unmoeglich, eine Konversation zu fuehren. Trotzdem bekam ich oft die Info: No single room available. Endlich fand ich einen. Er versprach in der Anzeige “bungalows with spacious bedrooms”. Zwar teuer, aber immerhin: Man kann mit ihm sprechen, er hat ein Einzelzimmer frei, ab sofort, und die Lage ist okay, nicht weit weg meiner zukuenftigen Arbeit. Verpricht warmes Wasser und Waschmaschine und klingt auch sonst recht ordentlich. Also buche ich bis Mitte Mai, um endlich die Sorge loszusein, und endlich das Busticket zu kaufen. Kostet dort pro Tag uebrigens fast zweieinhalbmal soviel wie meine Huette am Strand. Aber ich glaube, solche Vergleiche sollte ich besser gar nicht erst anstellen.

Nunja, an besagtem Sonntag mache ich mich dann so um 10 Uhr auf den Weg. Suche einen Rikshafahrer der einen angemessenen Preis will (auf 2/3 dessen, was der erste wollte, lasse ich mich dann ein) und fahre los. Schoen einmal durch die Innenstadt auf die andere Seite. War dann eine Herausforderung, das exakte Haus zu finden, aber wir haben es geschafft. Diese Herausforderung wird mich die Tage stets begleiten.

Ringsrum sind “Balkone”, vollvergittert. Blick auf die Inner Ring Road, eine wichtige Hauptverkehrsstrasse. Naja, ist auch von Vorteil, nicht durch kleine Gassen nachhaus gehen zu muessen. Von “Bungalows” keine Spur. Zimmer wird noch geputzt. Sitze draussen. Am Boden. Stuehle sind eine Raritaet in diesem Haus, werde ich noch merken.

Wifi, ich klicke, rauche, warte. Bin eh einfach nur fertig, viel geschlafen habe ich in diesem Bus nicht.

Endlich, ich kann rein. Eine weitere Enttaeuschung: Ja, ich habe zwar ein eigenes Zimmer, aber um dies zu erreichen durchquere ich ein Zimmer, das mit drei Betten bestueckt ist (und ansonsten nicht viel Platz bietet). Auch das Zimmer… es war wohl mal eine Kueche, und ist auch genauso “gross”. Inzwischen weiss ich, was die Qualitaeten des Zimmers sind: Eigenes Spuelbecken und fliessend Wasser, viel Kuechenarbeitsflaeche, bedeutet fuer: grosser Schreibtisch; Regale an der Wand: viel Ablage. Den Schrank benutze ich kaum, denn die Kuechensachen sind alle aus Stein, schoen sauber. Und ein Stuhl!

Erwartet hatte ich ein grosses Zimmer mit Bett, einem Schrank, vielleicht einem Tisch. Das ganze hatte ich mir in einem Hinterhof-Bungalow ertraeumt, vielleicht sogar mit Garten. Und die anderen Zimmer werden von weiteren Einzelpersonen belegt. Naja. Es scheint kein weiteres Ein-Personen-Zimmer im Haus zu geben.

Die beschriebenen Vorteile sehe ich aber erst ca. 12h spaeter. Zunaechst bin ich sehr enttaeuscht. Da habe ich doch extra “vorsichtshalber” das teuerste genommen, um eben erst mal ordentlich unterzukommen, kein Stress zu haben. Nunja. Erst mal Waesche waschen, damit ich ueberhaupt Bettzeug habe heute abend. Die Waschmaschine ist ein “Semi-Waschautomat”: Eine Seite ist eine Art Wanne mit einem sich drehenden Teil am Boden, die zweite eine Schleuder. Kostet also auch ganz schoen viel Zeit, hier Waesche zu waschen. Spuelen etc muss man ja alles selbst. Aber besser als ganz ohne.

Nachmittags mache ich mich auf den Weg, um andere PG-Haueser zu besichtigen. Ich finde keines derer, die ich mir herausgesucht hatte. Dafuer aber ein anderes. Dort waere ein Einzelzimmer noch teurer, es gibt gar keine Dusche und das Zimmer ist auch klein und hat nichts ausser Bett und Schrank. Immerhin ein Doppelbett, dh man hat mehr Ablage. Und es ist ganz oben. Aus dem Treppenhaus hat man eine tolle Aussicht. Trotzdem: dann bleibe ich lieber in meiner Kueche.

Nun, inzwischen ist Dienstag, und ich tue immer noch dasselbe. Habe eine Option ab Mitte Mai, auch klein, auch nur Bett+Schrank, dafuer im obersten Stock mit umlaufendem Balkon, Bad wird nur mit einer anderen Person geteilt und es gibt eine Waschmaschine die sich Vollautomat nennt. Ausserdem ist es in der Naehe einer der raren Metrostationen. Die Metro werde ich vielleicht heute mal ausprobieren, sollte ich jemals hier herauskommen. Und guenstiger. Habe mit denjenigen, mit denen ich es besichtigen konnte kaum kommunizieren koennen, und bin unsicher, ob das nun “reserviert” ist oder nicht. Ausserdem ist unklar, ob es dann wirklich genau dieses Zimmer wird, da sie mir eigentlich etwas im ersten Stock zeigen wollten, da aber keinen Schluessel hatten.

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