Interesse

Jeder interessiert sich doch für irgendwas. Also ich glaube nicht, dass es jemanden gibt, der ernsthaft behaupten kann, er interessiere sich für nichts und niemanden.

Aber dann stelle ich mir immer wieder die Frage, warum interessieren sich die Leute manchmal nur für (in meinem Augen) Unsinniges? Wenn es doch so viel wichtiges auf der Welt zu tun gäbe? Warum ist so vielen Leuten so vieles scheißegal? Warum scheint sich keiner zu kümmern?

Aber worum kümmern sich die Leute dann? Was kümmert sie?
Und warum? Was ist interessant an dem Leben der britischen Royals? Wäre es nicht viel interessanter, genau zu beobachten was unsere Politiker so treiben?

Ach, und warum sind es eigentlich immer die selben Leute, die Klassensprecher sind und die sich im Verein engagieren; die bei Wikipedia mitmachen und bei der Studentenvollversammlung aufkreuzen?

Und, die Frage die ich mir schon so oft gestellt habe:
Was machen eigentlich all die anderen?

4 thoughts on “Interesse

  1. Servus Börni,
    tja, eigentlich bin ich ja über den Ausdruck “jedem das seine” gestolpert. Mag ich natürlich nicht, aber schau selbst mal nach in der Wiki, was dazu gesagt wird.
    Zu der Frage, was die Leute interessiert: Das ist etwas, das auch mich schon länger umtreibt, allerdings auf einer doch eher ernsthafteren Ebene. Mir wurden mal Schläge angedroht auf einer Studentenversammlung, als ich einem Flugblattverteiler, der ein Flugblatt gegen Tierversuche verteilte, aus dem Saal wies. Kraft meines selbstverständlich überhaupt nicht vorhandenen Amtes. Ich habe ihm einfach sehr nachdrücklich nahegelegt, jetzt zu gehen. Warum? Er hat das Wort “Hühner-KZ” gebraucht. Da bin ich unnachgiebig: Mit solchen Leuten wird nicht diskutiert, die werden aus der Diskussion ausgeschlossen. Das ließ er aber so ohne weiteres nicht machen. Ich war natürlich schon auch ein bisserl autoritär, gell. Er wollte mich jedenfalls zusammen mit anderen Tierschützern verprügeln. Was aber wiederum meine Freunde verhindert haben. Das ist jetzt 20 Jahre her. Ich habe es nicht vergessen. Warum reagierte ich dermaßen aufgebraucht auf diesen Ausdruck? Warum regt mich dein “jedem das seine” heute zwar nicht mehr auf, nervt mich aber immer noch? Warum interessieren sich manche Menschen mehr für den Schutz der Tiere als für den Schutz der Menschen? Warum sind sie bereit in ihrem Kampf dafür, Relativierungen vorzunehmen, die so inhuman sind, dass darüber tatsächlich ernsthaft nicht diskutiert werden kann? Warum sind diese Menschen unbelehrbar?
    Weil unser Interesse eben auch immer etwas mit unserer Psyche zu tun hat. Uns interessiert, was wir bearbeiten müssen oder was wir verdrängen müssen. Und manchmal verdrängt es sich sogar dann am besten, wenn wir uns ganz intensiv damit beschäftigen: Wir haben das Heft selbst in der Hand und sind so gegen unliebsame Überraschungen gewappnet. Bis wir selbstsicher genug werden — vielleiht — und uns doch überraschen und vom Leben belehren lassen. Warum also die Royals, die “armen Tiere”, (meine) Fahrräder, die Formel 1, der Fußball? Wenn unser Glück eigentlich darin bestünde, dass andere Menschen glücklich sind und nicht elends verhungern – was nur ein Beispiel ist. Fragen über Fragen. Antworten habe ich nur rudimentär. Aber nicht mehr heute nacht. Bin müde und werde jetzt den Puter ausschalten.
    Nur ein kleines PS noch:
    Es ist eine nette kleine (von dir unbeabsichtigte?) Pointe, von der Frage der Überwachung der Politiker (bin ich übrigens strikt dagegen, als rhetorische Frage aber immer dafür) zur Frage überzugehen, warum immer dieselben Leute Klassensprecher werden, auf die Studenten-VV gehen und bei der Wiki mitmachen? Warum machst du also das eine, aber nicht das andere?

  2. wer Rechtschreibfehler findet, darf sie behalten. Auch wenn ich securamente versuche, keine zu machen. Mich ärgern sie ja auch. Aber es ist schon spät und zum Korrekturlesen hatte ich keinen Nerv mehr. Liebe Grüße übrigens auch noch, W.

  3. Leider hatte ich von der historischen Verwendung dieser drei Wörter keinen blassen Schimmer – danke für den Hinweis, ich habe es schon verändert. Was ich mit “Jedem das Seine” sagen wollte, ist, dass jeder tun und lassen kann wozu ihm zumute ist – ich habe Weihnachten gerne im Kreise der verschiedenen “Familien” verbracht und trinken tue ich ja eh nicht. Somit war es auch etwas distanzierend gemeint.

    (Nun, nur am Rande, ich denke langsam sind ein paar Generationen ins Land gegangen, so dass man sich einige Wörter und Wortkombinationen auch bald wieder zurückholen dürfte! Ich mag diesen Spruch. Trotzdem)

    An Deinen rudimentären Antworten wäre ich interessiert. Ich verstehe es nämlich wirklich nicht. Immer noch nicht. Eigentlich dachte ich, ich habe mich damit abgefunden. Aber habe ich nicht.
    (vielleicht wäre das ein gutes Thema für morgen äh heute abend. Oder Donnerstag)

    Ach, und in der Frage nach der Überwachung der Politiker wollte ich vor allem den Link zu Franks Gedankenspielen unterbringen, die auf dem 23c3 geäußert wurden. Dazu wird es die Tage mehr Infos geben. Und ja, es war beabsichtigt, denn auch bei diesen Themen sind es scheinbar immer die selben Leute, die sich kümmern. Und ich bin mir fast sicher: die warn früher auch mal bei der svv ;-)

    Und wie meinst Du, ich mache also das eine, aber nicht das andere? Manchmal versuche ich ja, alles zu machen. Das wandelt sich in Chaos, aber ich mag Chaos.

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